Mitte Juli fragten die Grafschafter Nachrichten die Parteien, ob sich Bad Bentheim ein neues Schulzentrum leisten kann. Unsere Antwort: Bildung ist uns wichtig, doch ob die Stadt einen Millionen-Neubau stemmen kann, sahen wir kritisch. Es fehlten belastbare Zahlen, geplant wurde das Maximale. Wir kritisierten, dass nach der Wahl erst geschaut werden solle, was finanzierbar ist.
Das war eine Vermutung. Inzwischen liegen die Antworten auf unsere zweite Anfrage vor – und sie bestätigen jeden dieser Punkte.
Wir hatten detailliert nachgefragt: nach den intern veranschlagten Kosten, den Beschlüssen, den Ausstiegsmöglichkeiten und den Kontrollmechanismen, die verhindern sollen, dass teuer geplant wird, wenn die Finanzierung nicht klappt. Die Antworten waren weitgehend offen – förderten aber auch Überraschendes zutage.
1. Die Kostenschätzung fehlt weiterhin
Eine Kostenschätzung für den Schulbau fehlt wieder. Die Verwaltung verstand unsere Frage anders und nannte den Auftragswert der Baubegleitung – also das Honorar des Büros, das die Stadt durch das Verfahren führt, nicht die Baukosten. War nicht gefragt, naja.
Ähnliche Erfahrungen machen andere Parteien: Die CDU, die den Neubau ausdrücklich will, schreibt im selben GN-Beitrag, die Verwaltungsleitung sei „über Jahre hinweg konsequent ausgewichen“ und habe „keine harten Zahlen zur Finanzierbarkeit vorgelegt“. Es geht nicht um Für oder Gegen, sondern um Zahlen auf den Tisch.
2. Viel Papier, wenige Beschlüsse
Die Verwaltung listet 22 Vorlagen auf, nur acht wurden zu Beschlüssen – darunter Vorbereitendes wie Flächenkauf und Bebauungsplan. Über Bauumfang und Finanzierung entschied der Rat nie.
VO 2024/038 sticht heraus, denn dort waren Kontrollmechanismen vorgesehen. Was ich übersehen hatte: Diese Vorlage wurde nie beschlossen, sondern dem Rat im März 2024 nur zur Kenntnisnahme vorgelegt. Das Projekt lief weiter, die Schutzmechanismen nicht. War mir völlig durchgegangen.
3. War die Finanzierung je gesichert?
Schwer zu sagen, ob der Bau finanzierbar ist, solange die Verwaltung die veranschlagten Projektkosten nicht liefert. Oder auch nicht: Schon 2024 berichtete die Verwaltung unter Leitung von Bürgermeister Pannen: „Die Finanzierbarkeit ist damit aus heutiger Sicht nicht dargestellt.“ Damals rechnete man mit 2,5 Prozent Zinsen und 2,6 Millionen Euro freier Spitze – und hoffte auf Verbesserung.
Das Gegenteil trat ein: 3,77 Prozent Zins, freie Spitze für 2027 bis 2029 bei null (siehe unser vorheriger Post). Was 2024 unter günstigen Annahmen nicht finanzierbar war, ist es heute erst recht nicht.
Die Grundlage ist nicht ins Wanken geraten. Sie ist weg.
4. Kontrolliert hat trotzdem niemand
In derselben Vorlage schlug die Verwaltung halbjährliche Rechenschaft vor, ob die Annahmen eine Umsetzung noch ermöglichen. Das geschah nie – angeblich, weil belastbare Projektkosten fehlen. Verpflichtet war sie mangels Beschluss nicht. Vorgeschlagen hatte sie es trotzdem selbst.
Ein Zirkel: Man kann nicht prüfen, weil Zahlen fehlen – und weil man nicht prüft, läuft das Verfahren weiter, die Kosten steigen. Der Zinssprung allein hätte gereicht.
Praktisch bequem, finanziell hochriskant.
5. Der Ausstieg ist möglich – aber er kostet
Das Verfahren ist, soweit ich das beurteilen kann, insgesamt sauber konstruiert: Finanzierungsvorbehalt, Haushaltsbeschluss vor Zuschlag. Aussteigen ist rechtlich jederzeit möglich.
Doch es kostet. Jeder der fünf ausgewählten Bieter erhält allein für die Abgabe eines Angebots 50.000 Euro Aufwandsentschädigung – macht 250.000 Euro, fällig ob gebaut wird oder nicht. Von dieser Entschädigung wusste ich nichts, sie stand nirgends. Im Gegenteil: Im August 2025 hieß es, man erwarte, das Projekt nach Vorliegen der Kostenschätzung „ganz oder teilweise stoppen“ zu können. Vom Preis des Stopps war keine Rede.
Ich habe alle 22 Vorlagen durchgesehen. Falls ich etwas übersehen habe: bitte Nachricht.
6. Machbare Lösungen statt teurer Pläne
Die Viertelmillion Bieterentschädigung, ein Teil der 900.000 Euro für die Baubegleitung und alles, was seit 2024 an Planung und Beratung aufgelaufen ist – das ist viel Geld. Geld, das auch dann weg ist, wenn nie gebaut wird. Ergibt es Sinn, ein Verfahren so weit und teuer voranzutreiben, wenn die Finanzierung nicht steht und nicht einmal überprüft wurde?
Mit den bisherigen Ausgaben wäre man bei der Sanierung der Schulen im Bestand ein gutes Stück vorangekommen. Unsere Alternative, das Ausbauen und Aufstocken, wo heute Container die Flächen blockieren, an Grund- und Realschule, bleibt im Rennen. Nicht billig, aber machbar – ohne Jahrzehnte auf gute Schulen zu warten, weil das Geld für den großen Wurf fehlt.
Erst klären, was finanzierbar ist – dann umsetzen, was geht. Auch dann, wenn Wahlen anstehen.
Die vollständige Anfrage und die Antwort der Verwaltung findet ihr hier:

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