Eigentlich ist unser Gesundheitssystem dadurch gekennzeichnet, dass auf lokaler Ebene keine wesentlichen Rahmenbedingungen geschaffen oder gar wegweisende Entscheidungen getroffen werden können. Vieles wird auf Bundesebene oder Landesebene geregelt, oft nach zähen Verhandlungen mit Lobbyisten und Verbänden, Kosten- und Leistungsträgern.
Diese Machtlosigkeit der Kommunen gilt allerdings nur teilweise für den Bereich der Fachkräftesicherung im Pflegebereich. Das wurde mir klar, als ich vor einigen Tagen in die Online-Regionalkonferenz zur Vorstellung des Niedersächsischen Landespflegeberichtes, Schwerpunkt „Fachkräfte in der Pflege“, hineinhörte. Dort wurde mit Zahlen belegt, was ich, auch aus persönlicher Erfahrung, längst ahnte: Wir haben auch hier in der Grafschaft bereits einen deutlichen Fachkräftemangel, der dazu führt, dass in Heimen und bei Pflegediensten, aber auch auf den Stationen der Krankenhäuser offene Stellen über Wochen und Monate nicht besetzt werden können.
Die Folgen: Patient*innen werden trotz hohem Versorgungsbedarf abgelehnt, professionell Pflegende arbeiten über Monate am Rande ihrer Belastbarkeit und geben am Ende nicht selten auf, es passieren Fehler, es herrscht häufig eine hohe Arbeitsunzufriedenheit trotz der Liebe zum Beruf. Verschärfend kommt hinzu, so steht es im Landespflegebericht, dass die demografische Entwicklung auch bei uns in der Grafschaft in Zukunft noch mehr Pflegebedarf verursachen wird. Hier der Link zum Pflegebericht
Was können und müssen wir hier in der Grafschaft also tun?
1. Wir müssen die vorhandenen Strukturen und Leistungsangebote prüfender in den Blick nehmen und aussagekräftige Pflegeberichte erstellen, um die Handlungsbedarfe für die Alten- und Gesundheits-/ Krankenpflege herauszuarbeiten.
2. Mit diesen Kenntnissen kann der Landkreis Impulsgeber und Moderator sein, alle hier vor Ort beteiligten Gruppen an einen Tisch holen und mit ihnen eine zielgerichtete und vorausschauende Steuerung planen und umsetzen. Mögliche Lösungen können beispielsweise sein:
- Pflege als Berufsbild in den Schulen sichtbarer machen
- Lokale Kampagnen zur Stärkung der Pflege in der öffentlichen Wahrnehmung starten
- Beratungsleistungen für flexible Arbeitszeitmodelle im Pflegebereich anbieten
- Beteiligung an Kosten für Bildungsurlaube und für individuelle Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die nicht vom Arbeitgeber übernommen werden
- Finanzielle Mittel zur Steigerung der Attraktivität des Berufes bereitstellen (z.B. Gutscheine für Kultur- und Sportangebote, Beteiligung an Kosten für die Kinderbetreuung)
- die weitere Entwicklung und Umsetzung lokaler Pflegeprojekte, die den Verbleib der hilfebedürftigen Person in der häuslichen Umgebung unterstützen
Die Problemlage des Fachkräftemangels zu verbessern, verschiedene Lösungen anzudenken, zu prüfen und umzusetzen, dafür möchte ich mich als Grünes Mitglied des Grafschafter Kreistages in den nächsten fünf Jahren einsetzen.

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