Die CDU will die Bad Bentheimer Baumschutzsatzung abschaffen. Begründung: zu viel Verwaltungsaufwand, zu wenig Wirkung – schließlich seien in dreieinhalb Jahren „nur“ fünf Anträge abgelehnt worden, während die meisten Fällungen genehmigt wurden.
Klingt erstmal nach dem klassischen „viel Papier, wenig Ergebnis“-Reflex. Aber genau hier liegt der Denkfehler.
Also: einmal tief durchatmen, Kettensäge aus der Hand legen – und die Argumente betrachten.
„Nur fünf Ablehnungen“ – und das soll ein Problem sein?
Dass in dreieinhalb Jahren lediglich fünf Anträge abgelehnt wurden, ist kein Beleg für Wirkungslosigkeit. Im Gegenteil: Es ist eher ein Hinweis darauf, dass die Satzung tut, was sie soll – prüfen, abwägen, steuern.
Eine Baumschutzsatzung ist kein Ablehnungs-Wettbewerb. Sie ist nicht dafür da, möglichst viele Menschen möglichst hart abblitzen zu lassen. Sie ist dafür da, einen Mechanismus einzubauen, der verhindert, dass Fakten geschaffen werden, bevor überhaupt jemand hingeschaut hat.
Denn der eigentliche Schutzmechanismus ist nicht das „Nein“. Es ist die Genehmigungspflicht.
- Ohne Satzung gilt: Wer eine Säge hat, schafft Tatsachen.
- Mit Satzung gilt: Wer fällt, muss begründen. Muss Alternativen prüfen. Und muss – wenn es sein muss – kompensieren.
Das ist kein Luxus. Das ist das Minimum an Verantwortung gegenüber Klima, Artenvielfalt und Ortsbild. Und ja: Diese Dinge sind Gemeinwohl – auch dann, wenn der Baum auf Privatgrund steht.
Und logisch ist auch: Wenn 36 Bäume überhaupt erst beantragt wurden, kann man ziemlich realistisch annehmen, dass ohne Satzung deutlich mehr schlicht gefällt worden wären – ohne Antrag, ohne Prüfung, ohne Ersatz. Eine Satzung verhindert nicht nur Fällungen durch Ablehnung, sie verhindert sie durch Hürde, Transparenz und Steuerung.
„Das macht Arbeit“ – ja. Und?
Die CDU argumentiert sinngemäß: Pro Antrag falle etwa eine Stunde Verwaltungsaufwand an. Und deswegen müsse das Instrument weg.
Das ist… bemerkenswert.
Natürlich verursacht etwas, das etwas bringen soll, auch Arbeit. Wer glaubt, Schutz entstehe durch Nichtstun, verwechselt Verwaltung mit Zauberei.
Und wenn man es nüchtern betrachtet, reden wir über eine Größenordnung, bei der man sich fragt, ob hier ernsthaft argumentiert wird – oder einfach nur Stimmung gemacht:
- rund 10 Anträge pro Jahr
- also etwa 10 bis 20 Stunden Aufwand im Jahr (je nachdem, wie man rechnet)
Das ist keine Bürokratie-Lawine. Das ist ein Nachmittag pro Quartal. In einer Stadtverwaltung. Für Stadtgrün, das wir alle täglich nutzen, sehen, brauchen.
Wer bei so einem Umfang reflexartig sagt „dann streichen wir halt das Instrument“, handelt kurzsichtig: Dann sparen wir heute ein paar Stunden – und zahlen morgen alle drauf. Mit mehr Hitzeinseln, weniger Schatten, weniger Lebensräumen. Und irgendwann kommt dann das große Nachpflanzprogramm, teuer, aufwendig – und natürlich ironischerweise wieder Verwaltung.
„Forstwirtschaftliche Maßnahmen sind nicht erfasst“ – und?
Auch das Argument, forstwirtschaftliche Maßnahmen seien nicht abgedeckt, zieht nicht. Dass Waldrecht separat geregelt ist, ist kein Hinweis auf die Nutzlosigkeit einer Baumschutzsatzung. Es ist ein Hinweis darauf, dass Wald und Stadtgrün eben nicht das Gleiche sind.
Fazit:
Unterm Strich verkauft uns die CDU „Bürokratieabbau“. Tatsächlich ist es der Versuch, den Baumschutz durch die Hintertür abzuräumen.
Insgesamt: Schlechte Idee, schwach begründet.

Verwandte Artikel
Einladung zum Ortsverbandstreffen
Das nächste Ortsverbandstreffen für Parteimitglieder und an grüner Politik interessierte Bürger:Innen findet statt am 24.02.2026, 19.30 Uhr im Treff 10 in der Kirchstraße 10 in Bad Bentheim. Wir laden herzlich…
Weiterlesen »
Haushalt 2026: Unsere Stadt soll lebenswert bleiben!
Die letzte Ratssitzung dieses Jahres liegt hinter uns – und mit ihr die wohl wichtigste Entscheidung: die Verabschiedung des Haushalts für 2026. Unsere Haushaltsrede findet sich weiter unten. Schon ein…
Weiterlesen »
Dank an Heinz-Gerd Jürriens!
In der letzten Ratssitzung des Jahres 2025 haben wir neben dem Haushalt 2026 auch den Ersten Stadtrat Heinz-Gerd Jürriens nach 47 Jahren im Dienst der Stadt Bad Bentheim in den…
Weiterlesen »